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Einsiedlerkrebse haben eine Persönlichkeit

Alles eine Frage der Persönlichkeit: Britische Forscher haben Einsiedlerkrebse einem Verhaltenstest unterzogen und dabei erstaunliche Erkenntnisse gewonnen. Auch unter den Schalentieren gibt es unterschiedliche Charaktere. Einige sind eher vorsichtig, während andere mutig und furchtlos durchs Leben krabbeln.

Ihre Versuche hätten zum ersten Mal Hinweise auf eine „Persönlichkeit“ bei Schalentieren geliefert, berichten Mark Briffa und seine Mitarbeiter von der Universität Plymouth in den „Proceedings“ der britischen Royal Society (online vorab veröffentlicht).

Durch die Herausbildung solcher „Tierpersönlichkeiten“ werde vermutlich die viel aufwendigere Entwicklung der Fähigkeit vermieden, auf jede Situation individuell reagieren zu können. Die Wissenschaftler hatten an drei britischen Stränden Einsiedlerkrebse (Pagurus bernhardus) einem Verhaltenstest unterzogen: Sie hoben die Tiere kurz aus dem Wasser und imitierten so den Angriff eines Vogels oder anderen Fressfeindes. Dann legten sie die Krebse zurück auf den Sand und maßen die Zeit, bis diese sich wieder aus ihrem schützenden Kalkgehäuse wagten. Einsiedlerkrebs bewohnen in der Regel leere Schneckenhäuser. Anschließend brachten die Forscher die Krebse ins Labor, wo sie sie nach einigen Tagen erneut dem Test unterzogen. 
 
Die Auswertung zeigte nun deutlich, dass bestimmte Krebse bestimmte Persönlichkeitsmerkmale zeigten: Einige waren zum Beispiel eher mutig. Sie brauchten weniger Zeit, um sich nach einer Schrecksituation wieder aus ihrem Versteck zu wagen als andere, eher schüchterne Vertreter ihrer Art. Die jeweiligen Tiere behielten ihre Eigenschaften auch in unterschiedlichen Situationen bei, also etwa dann, wenn vermeintlich Feinde in der Nähe waren. Dies testeten die Wissenschaftler, indem sie die Einsiedlerkrebse in Wasser untersuchten, dass chemische Spuren einer feindlichen Krebsart enthielt. Grundsätzlich verhielten sich alle Tiere in dieser Situation vorsichtiger. Aber nach wie vor benötigten die furchtlosen weniger Zeit, ihr Haus zu verlassen als die scheuen Tiere.

Unterschiede im Verhalten fanden die Forscher auch zwischen ganzen Populationen von Krebsen: So waren die Exemplare, die an der britischen Küste bei Mount Batten untersucht wurden, deutlich schüchterner als die aus den Untersuchungsgebieten Bantham und Hannafore. Möglicherweise haben bestimmte lokale Umweltbedingungen – etwa eine hohe oder niedrige Zahl von Fressfeinden die Entwicklung eher furchtloser oder eher vorsichtiger Populationen gefördert.

In der Natur kann sich die Entwicklung von Persönlichkeitstypen auszahlen. Dadurch könne in den meisten Situationen vielen Tieren ein angemessenes Verhalten ermöglicht werden. Eine Auswertung einzelner Situationen durch jedes Tier und eine entsprechende Anpassung im Verhalten wird dabei für die Arterhaltung unnötig oder zumindest weniger wichtig. Eine individueller Reaktion wäre viel aufwendiger, da entsprechende Fähigkeiten zur Wahrnehmung, Verarbeitung und Analyse entwickelt werden müssten.

Hinweis
Bilder zum Artikel finden Sie unter der Quellangabe.

Quelle: welt.de


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